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Ratgeber · 6 Min. Lesezeit

Die richtige Rahmengröße finden: Tabellen und Schrittlängen-Formel

Körpergröße, Schrittlänge, Formel: Mit diesen Faustregeln findest du in wenigen Minuten die Rahmengröße, die zu dir passt.

Ein Fahrrad kann noch so gut ausgestattet sein: Wenn der Rahmen nicht zu dir passt, fährst du verkrampft, bekommst schneller Rücken-, Nacken- oder Knieschmerzen und hast weniger Kontrolle über das Rad. Die Rahmengröße ist deshalb die wichtigste Entscheidung beim Fahrradkauf, noch vor Schaltung oder Farbe. Die gute Nachricht: Mit zwei Messwerten und ein paar Faustregeln kommst du der richtigen Größe sehr nahe.

Was die Rahmengröße eigentlich angibt

Klassisch wird die Rahmengröße als Länge des Sitzrohrs angegeben, also vom Mittelpunkt des Tretlagers bis zur Oberkante des Sitzrohrs. Bei Trekking-, City- und Rennrädern geschieht das meist in Zentimetern, bei Mountainbikes traditionell in Zoll. Viele Hersteller sind inzwischen auf Buchstabengrößen von XS bis XL umgestiegen, weil moderne Rahmen oft ein abfallendes Oberrohr und unterschiedlich lange Sitzrohre haben. Eine „M“ ist daher nicht bei jeder Marke gleich groß.

Für das Fahrgefühl sind neben der Sitzrohrlänge vor allem zwei Werte wichtig:

  • Stack: die senkrechte Höhe vom Tretlager bis zur Oberkante des Steuerrohrs. Ein hoher Stack bedeutet eine aufrechtere Sitzposition.
  • Reach: der waagerechte Abstand vom Tretlager zur Oberkante des Steuerrohrs. Ein langer Reach streckt dich weiter nach vorn.

Die Tabellen weiter unten sind ein guter Startpunkt. Wenn du zwischen zwei Größen liegst, lohnt sich ein Blick in die Geometrietabelle des Herstellers, die du auf vielen Produktseiten findest.

Schritt 1: Körpergröße und Schrittlänge messen

Die Körpergröße kennst du wahrscheinlich. Wichtiger ist aber die Schrittlänge (Innenbeinlänge), weil Menschen mit gleicher Körpergröße sehr unterschiedlich lange Beine haben können. So misst du sie:

  1. Zieh die Schuhe aus und stell dich mit dem Rücken an eine Wand, die Füße etwa 15 bis 20 cm auseinander.
  2. Klemm ein Buch oder eine Wasserwaage mit dem Rücken nach oben zwischen die Beine und zieh es mit sanftem Druck nach oben, so wie ein Sattel später drücken würde.
  3. Markiere die Oberkante des Buchs an der Wand.
  4. Miss den Abstand vom Boden bis zur Markierung. Am besten misst du zweimal und nimmst den Mittelwert.

Eine zweite Person macht das Ganze deutlich einfacher und genauer.

Schritt 2: Die Schrittlängen-Formel

Mit der Schrittlänge kannst du die Rahmengröße grob berechnen. Die folgenden Faktoren sind gängige Faustregeln, die im Fahrradhandel seit Langem verwendet werden:

FahrradtypFormelBeispiel bei 84 cm Schrittlänge
Trekkingrad, Citybike, E-BikeSchrittlänge × 0,66ca. 55 cm
MountainbikeSchrittlänge × 0,57ca. 48 cm, also etwa 19 Zoll (48 ÷ 2,54)
Rennrad, GravelbikeSchrittlänge × 0,665ca. 56 cm

Beim Mountainbike rechnest du das Ergebnis in Zoll um, indem du durch 2,54 teilst. Danach ordnest du den Zollwert der Buchstabengröße des Herstellers zu. Beachte: Die Formel liefert einen Richtwert, keine exakte Vorgabe. Sattelstütze und Vorbau bieten dir anschließend noch Spielraum für die Feinabstimmung.

Rahmengrößen-Tabellen nach Körpergröße

Wenn du gerade kein Maßband zur Hand hast, helfen dir diese Tabellen. Sie gehen von durchschnittlichen Proportionen aus. Hast du im Verhältnis eher lange Beine, tendierst du zur größeren Größe, bei eher langem Oberkörper und kurzen Beinen zur kleineren.

Trekkingrad und Citybike (auch E-Trekking und E-City)

KörpergrößeRahmengröße Trekking/City
150–160 cm42–46 cm
160–170 cm46–50 cm
170–180 cm50–54 cm
180–190 cm54–58 cm
190–200 cm58–62 cm

Bei Tiefeinsteigern und Wave-Rahmen ist die Größe weniger kritisch, weil du nicht über ein hohes Oberrohr steigen musst. Trotzdem sollte die Distanz zum Lenker stimmen.

Mountainbike (auch E-MTB)

KörpergrößeRahmengröße Mountainbike
150–160 cmXS–S (13–15 Zoll)
160–170 cmS (15–16 Zoll)
170–180 cmM (17–18 Zoll)
180–190 cmL (19–20 Zoll)
190–200 cmXL (21–22 Zoll)

Im Gelände bevorzugen viele eine etwas kleinere, wendigere Größe. Wer viel bergauf und lange Touren fährt, darf eher zur größeren Größe greifen, weil sie mehr Laufruhe bietet.

Rennrad und Gravelbike

KörpergrößeRahmengröße Rennrad/Gravel
150–160 cm47–50 cm (XS)
160–170 cm50–53 cm (S)
170–180 cm53–56 cm (M)
180–190 cm56–59 cm (L)
190–200 cm59–62 cm (XL)

Beim Rennrad ist die Passform besonders wichtig, weil du lange in einer gestreckten Position sitzt. Gravelbikes haben meist einen etwas höheren Stack und sind dadurch bei gleicher Größe einen Hauch komfortabler.

Schritt 3: Der Praxis-Check auf dem Rad

Ob die Größe wirklich passt, merkst du am besten auf dem Rad selbst. Achte auf diese Punkte:

  • Überstandshöhe: Wenn du über dem Rahmen stehst, sollten zwischen Oberrohr und Schritt beim Trekkingrad etwa zwei bis drei Finger, beim Mountainbike gern eine Handbreit Platz sein.
  • Beinstreckung: Steht das Pedal ganz unten und deine Ferse darauf, sollte das Bein fast gestreckt sein. Mit dem Fußballen auf dem Pedal ist das Knie dann leicht gebeugt.
  • Oberkörper: Deine Arme sollten leicht angewinkelt sein. Musst du dich stark strecken oder sitzt du gestaucht, passt die Länge des Rahmens nicht.
  • Knie und Lenker: Im Wiegetritt oder beim Einlenken dürfen die Knie nicht an den Lenker stoßen.

Zwischen zwei Größen: Was jetzt?

Das passiert häufiger, als man denkt. Als Faustregel gilt:

  • Nimm die kleinere Größe, wenn du ein wendiges, verspieltes Fahrverhalten möchtest, eher kurze Arme hast oder aufrecht sitzen willst und einen höheren Lenker montieren kannst.
  • Nimm die größere Größe, wenn du lange Strecken fährst, Laufruhe bei höherem Tempo schätzt oder im Verhältnis lange Beine und Arme hast.

Kleine Abweichungen kannst du mit einer längeren oder kürzeren Sattelstütze, einem anderen Vorbau oder einem verstellbaren Vorbau ausgleichen. Ein deutlich zu großer oder zu kleiner Rahmen lässt sich so allerdings nicht retten.

Besonderheiten bei E-Bikes

Für E-Bikes gelten grundsätzlich die gleichen Regeln wie für das jeweilige Fahrrad ohne Motor. Weil E-Bikes schwerer sind, ist ein sicheres Auf- und Absteigen aber noch wichtiger. Ein Tiefeinsteiger oder Trapezrahmen kann sinnvoll sein, wenn du häufig an Ampeln hältst oder Gepäck transportierst. Mehr zur Auswahl findest du in unserer E-Bike-Kaufberatung.

Und bei Kindern?

Bei Kinderrädern richtet sich die Größe nach dem Laufraddurchmesser in Zoll. Wie du die passende Größe nach Alter und Körpergröße findest, erklären wir im Ratgeber Kinderfahrrad-Größe.

Unser Tipp

Miss deine Schrittlänge, rechne mit der Formel und vergleiche das Ergebnis mit der Tabelle. Liegen beide Werte nah beieinander, bist du auf der sicheren Seite. Auf vielen Produktseiten findest du außerdem eine Größentabelle. Und falls das Rad nach dem Auspacken doch nicht passt: Du hast 30 Tage Zeit, es unbenutzt zurückzugeben. Details findest du unter Rückgabe und Erstattung.